§ Institutionelle Benchmarks · 03
SOFR-basierte Risikoaufschläge
Der Übergang von LIBOR zur Secured Overnight Financing Rate hat den globalen Floating-Rate-Markt neu aufgebaut. Für institutionelle Kreditnehmer ist das Verständnis, wie Spreads konstruiert, gesteuert und über die Kreditkurve neu bepreist werden, heute Pflichtwissen.
SOFR ist strukturell anders
Term SOFR ist ein nahezu risikofreier Satz, besichert mit US-Treasuries und über tatsächliche Transaktionsvolumina beobachtbar. LIBOR enthielt dagegen eine Kreditrisikokomponente — unbesicherte Interbankenfinanzierung — die unter SOFR vollständig verschwindet. Folge: Jeder All-in-Coupon muss die Kreditrisikoprämie explizit ausweisen, die zuvor im Benchmark eingebettet war.
Credit Spread Adjustment
Die meisten Altfazilitäten wurden mit einem festen Credit Spread Adjustment migriert — ca. 11 Bp für 1M und 26 Bp für 3M — additiv zu Term SOFR, um wirtschaftliche Äquivalenz zu wahren. Neugeschäfte führen die CSA nicht mehr separat; der Lender-Spread internalisiert die entsprechende Risiko- und Refinanzierungsprämie.
Spread-Architektur
- Basis-Benchmark: Term SOFR mit der vertraglich definierten Laufzeit (typisch 1M oder 3M).
- Lender-Refinanzierungs-Spread: Kapitalkosten der Bank oder des Fonds gegenüber dem risikofreien Satz.
- Risikoprämie der Assetklasse: Struktureller Spread für Sicherheitenart, Jurisdiktion und Vollstreckungsregime.
- Sponsor-/Leverage-Prämie: Deal-spezifischer Spread für LTV, DSCR-Puffer und Sponsor-Track-Record.
Hedging-Überlegungen
Floating-Rate-Exposure ist gegen Einkommensvolatilität und Eigenkapitalpuffer abzuwägen. Institutionelle Praxis ist es, einen definierten Anteil der Verbindlichkeiten — oft 50–75 % — über SOFR-Caps oder Swaps abzusichern, mit Strikes nahe der DSCR-Schwelle. Caps wahren Upside bei fallenden Sätzen; Swaps liefern Sicherheit zu Lasten der Optionalität. Die Wahl hängt vom Portfolio-Zinsrisiko des Kreditnehmers ab, nicht nur von der einzelnen Transaktion.